Aktuelles

Experten-Stellungnahme zu D-Laktat (bulgarischer Joghurt) und Glykolat

von Prof. Dr. Heinz Reichmann

Dresdner Forscher um die Arbeitsgruppe von Prof. T. Hyman und T. Kurzchalia berichten in Biology Plus von einer grundlagenwissenschaftlich äußerst interessanten Entdeckung. Sie greifen dabei Ergebnisse auf, die schon lange diskutiert werden, nämlich den Befund einer mitochondrialen Störung in den Nervenzellen von Parkinsonpatienten.

Mitochondrien sind die „Energieapparate“ der Zellen und somit für ihre Funktion sehr wichtig. Die Dresdner Forscher konnten zeigen, dass in Zellen, die sie von Parkinsonpatienten gewannen und z. B. mit dem Unkrautbekämpfungsmittel Paraquat behandelten, Störungen des Gens DJ-1 auftraten.

Während man früher DJ-1 als krebsverursachendes Gen sah, weiß man seit 2003, dass bei einigen wenigen Patienten, die eine DJ-1 Mutation aufweisen, diese zu einem Parkinsonsyndrom führen kann. Die Dresdner Forscher konnten jetzt zeigen, dass DJ-1 für die Produktion von D-Laktat und Glykolat unabdingbar ist und dieses wiederum für die Funktionsfähigkeit von Mitochondrien notwendig ist. Sie führten folgerichtig in Zellkulturen Analysen durch, inwiefern hier bei Störungen der Mitochondrienfunktion durch den Einsatz von Glykolat und D-Laktat eine Verbesserung des Zellenergieapparates erzielt werden könnte. Sie zeigten überzeugend, dass nicht nur die Mitochondrien wieder funktionierten, sondern auch die Nervenzellen, die schwer gestört waren, wieder zu normaler Funktion zurückfanden.

Diese grundlagenwissenschaftlich hochrangige Arbeit reiht sich in einen langen Reigen von vielversprechenden grundlagenwissenschaftlichen Untersuchungen, wonach z.B. Dopaminagonisten wie Alpha-Dihydroergocryptin, Pergolid, Pramipexol oder Rotigotin nervenzellschützende Eigenschaften aufweisen. Ähnliche Befunde konnten bezüglich Coenzym Q erhoben werden, was ebenfalls die mitochondriale Funktion stützt.

Bei Parkinsonpatienten konnten diese nervenzellschützenden Eigenschaften bisher aber noch nicht bestätigt werden. Somit ist leider festzuhalten, dass häufig Dinge, die in der Grundlagenwissenschaft vielversprechend waren, sich beim Menschen als wenig effektiv zeigten. Diese Sorge muss man auch bei der vorliegenden Arbeit haben, weil noch offen ist, ob der Genuss von D-Laktat z. B. im bulgarischen Joghurt (D-Laktat) oder von verfaultem Obst (Glykolat) ein Verhindern oder gar eine Verbesserung der Parkinsonsymptomatik erreichen würde. Es ist absolut unklar, wie diese Substanzen bei Menschen, die mit Parkinson leben, wirken und ob Parkinsonpatienten ausreichend viel Joghurt und Obst zu sich nehmen könnten, um die Störungen der Mitochondrien zu beheben.

Zusammenfassend ist somit eine faszinierende grundlagenwissenschaftliche Arbeit publiziert worden, die wichtige Fragen eröffnet. Viele weitere Untersuchungen sind aber notwendig, bis eine abschließende Aussage getroffen werden kann, ob D-Laktat und/oder Glykolat auch bei Parkinsonpatienten sinnvoll und hilfreich den Krankheitsprozess modifizieren kann.

(24. November 2014)

Diese Website nutzt Cookies, um Ihnen die bestmögliche Funktionalität zu bieten. Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden. Für weitere Informationen schauen Sie bitte in unsere Datenschutzerklärung.

Diese Website nutzt Cookies, um Ihnen die bestmögliche Funktionalität zu bieten. Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden. Für weitere Informationen schauen Sie bitte in unsere Datenschutzerklärung.